ProThesenBewegung

 

Hippotherapie am 24.06.2012 beim Erlenweiherhof in Pittrichen Winkl

Am 24.06. trafen wir uns zur „Hippotherapie“ am Erlenweiherhof. „Nici“ Nicole Schnabel die einen Tag in der Woche als Physiotherapeutin auf dem Hof arbeitet, hatte uns die Möglichkeit gegeben einen Einblick in die Hippotherapie zu bekommen. Die Therapie auf dem Rücken eines Pferdes ist für alle eine neue Erfahrung. Um 11.00 Uhr trafen alle auf dem Hof „am Biotop“ ein. Hier wurden wir zunächst mit der Theorie der Hippotherapie und dem Ablauf des Tages vertraut gemacht. In der Theorie (siehe Bild) haben wir über die dreidimensionale Bewegung des Pferdes beim Gehen erfahren, dass die Impulse auf den Menschen übertragen werden. Die Bewegung ist mit dem Gangbild des Menschen identisch. Der Reiter kann auf die Bewegungsabläufe reagieren und muss nicht mit aktiven Impulsen arbeiten.

Uns wurde erklärt, dass man während der Therapie nicht im Sattel sitzt, da sich dadurch die Auflagefläche verkleinert und die Impulse abgeschwächt werden. Außerdem wird in der Regel ohne Steigbügel gearbeitet, so wie es auch bei uns der Fall war. Zusätzlich wurden wir darauf hingewiesen, dass die Statur des Pferdes natürlich auch eine entscheidende Rolle spielt. Die Breite und Länge des Pferderückens haben einen entscheidenden Einfluss auf die Impulse, welche an den Reiter weiter gegeben werden.

Nachdem die Theorie vorbei war, wurden wir alle zum Vorlaufen gebeten, um einen Vergleich des Gangbildes vor und nach der „Reiteinheit“ zu bekommen. Biene filmte uns alle, wie wir mehr oder weniger gut marschierten. Danach gab’s erst mal Kaffee, während sich der erste Tester, in unserem Fall Lupo, auf die Stute Lotte begab und die ersten Runden in der Reithalle drehte.

Die Halle wäre eigentlich nicht notwendig gewesen, da es ein wunderschöner Sommertag war. Während die ersten das Reiten genossen bereiteten helfende Hände schon mal das Mittagessen vor. Außerdem gab es reichlich Obst. So konnte sich jeder mit dem stärken, was ihm am liebsten war.

Am Hof gibt es eine große Rampe, so dass man nicht vom Boden aus auf das Pferd steigen muss, daher waren nur ein paar Zentimeter zu überwinden.

Nicht jeder fühlte sich gleich von Anfang an wohl. Nach den ertsen Schritten, der Vetrautheit und lösung der Verspannungen im Rücken konnte es dann doch jeder genießen. Nachdem ein Teil der Truppe schon geritten war, wurden diejenigen, die ihre Runden zu Pferd schon hinter sich hatten erneut beim Gehen gefilmt.

Im schon vorher beschriebenen Biotop versammelten wir uns um diese schöne Begegnung noch mit einem Bild festzuhalten. Lotte, die erste Stute, hatte nach einigen Runden Feierabend, weswegen kam Smörre, ein Wallach mit aufs Bild.

Natürlich gab’s später auch noch Kaffee und Kuchen.

So ging ein wunderbarer Tag auf dem Erlenweiherhof zu Ende und wir bedanken uns ganz herzlich bei Nici und Ihrem Freund für den wunderschönen Tag!

 

 

 

Vortrag Schmerztherapie, Dr. Hauke, BWK Ulm, 02.05.2012

Statistisch gesehen haben 50% der Amputierten Stumpfschmerzen,

80% Phantomschmerzen und 100% Phantomempfindungen.

Zu den Phantomempfindungen gehört, was wir alle täglich erleben. Wir wackeln mit den Zehen, bewegen unsere Füße oder spüren ein Kribbeln auf der Haut der amputierten Gliedmaße. Dies ist ein normaler und sogar gewünschter Zustand, den wir auch zur Minderung von Phantomschmerzen nutzen können. Dazu später mehr. Allerdings besteht Handlungsbedarf, wenn die „Phantome“ beginnen, unangenehme Probleme zu verursachen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass die Gliedmaße in der Position zum Liegen kommt, die sie beim Unfall hatten. In solchen Fällen können Antidepressiva in niedriger Dosierung helfen. Auch gibt es sogenannte Teleskopeffekte. Das amputierte Bein fühlt sich kürzer an als die gesunde Seite. Als Betroffener hat man in der Prothese dann das Gefühl, ½ Meter über dem Boden zu stehen. Noch unangenehmer, aber zum Glück selten ist das Phänomen, dass das Bein bzw. der Arm länger empfunden wird als die Gegenseite. Man kann sich vorstellen, dass dadurch extreme Schwierigkeiten beim Gehen entstehen.

Der Stumpfschmerz ist meist auf das sogenannte Neurinom zurückzuführen. Wenn man Nerven mit Telefonkabeln vergleicht, ist die Nervenbahn der Kupferdraht und die Kunststoffisolierung die Nervenhülle. Bei einer Amputation wird die komplette Leitung gekappt und der Nervenstrang, also der Kupferdraht, wächst noch eine Zeit lang weiter aus der Isolierung heraus. Dadurch bildet sich eine Art Nervenknäuel, das Neurinom. Heute wird der Nerv an einer Stelle durchtrennt, an der das Neurinom keine Probleme verursachen sollte. Früher jedoch wurde häufig nachamputiert, wenn ein Neurinom zu Schmerzen im Stump geführt hat. Wenn heute doch einmal ein Neurinom zu Schmerzen führt, wird medikamentös durch niedrig dosierte Antidepressiva Antiepileptika behandelt.

Das größte Problem nach einer Amputation stellt der Phantomschmerz dar. Wenn diagnostisch geklärt wurde, ob es sich um Stumpf- oder Phantomschmerzen handelt, kann eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Über die Entstehung des Phantomschmerzes gibt es verschiedene Theorien. Am wahrscheinlichsten ist eine These, die auf der Verteilung und Größe der für die Gliedmaße zuständigen Bereiche im Gehirn beruht.

Stellt man sich einen Querschnitt des Gehirns von vorne vor, kann man durch eine spezielle Art der Magnetresonanztomographie (fMRT) feststellen, welche Bereiche des Gehirns für Empfindungen in den jeweiligen Körperteilen verantwortlich sind. Dabei fällt auf, das die Areale für Lippen, Zunge, Nase und Augen sehr große sind, die für Rumpf, Genitalien, Arme und Beine eher klein und jene für Hände und Füße wieder verhältnismäßig groß sind. Wenn jetzt, zum Beispiel durch Amputation, aber auch durch andere neuronale Schädigungen wie Morbus Sudeck oder Querschnittslähmung, ein Bereich nicht mehr benötigt oder falsch angesteuert wird, suchen sich die betroffenen und jetzt arbeitslosen Hirnareale andere Beschäftigungen und greifen dabei auch auf benachbarte Bereiche zu. Im MRT konnte bei Patienten mit Morbus Sudeck festgestellt werden, wie stark die Bereiche schrumpfen.

Da sich beispielsweise der Bereich des Fußes direkt neben dem Bereich für den Genitaltrakt befindet, wird von Beinamputierten berichtet, dass es z.B. beim Wasserlassen zu Phantomschmerzen kommt.

Mit verschiedenen Tricks ist eine Annäherung an den „Normalzustand“ wieder möglich. Wichtiges Mittel gegen den Phantomschmerz ist daher die Nutzung von gut passenden und funktionellen Prothesen. Durch den Bewegungsablauf beim Gehen mit Prothese werden verschiedene der Mechanismen für den Phantomschmerz ausgeschaltet, da das Gehirn seiner ursprünglichen Aufgabe, nämliche, in unserem Fall, dem Steuern des Beins wieder nachkommt.

Wenn man dem Gehirn andere Aufgaben gibt, reduziert sich der Phantomschmerz ebenfalls. Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass der Phantomschmerz nachts am stärksten zum Tragen kommt. Das kann durch regelmäßigen Ausdauersport etwas kompensiert werden. Aber auch andere Arten der Ablenkung, wie zum Beispiel das Lösen von Kreuzworträtseln oder Sudokus haben einen ähnlichen Effekt. Hauptsache das Gehirn ist beschäftigt. Ausdauersport hat außerdem noch den Vorteil, dass der Körper Endorphine, also Glückshormone, ausschüttet. Wenn man sich allgemein besser fühlt, ist der Phantomschmerz nicht so schlimm.

Eine weitere Hilfe bieten Illusionstherapien. Wenn man das Phantom regelmäßig benutzt, also mit den Zehen wackelt, seinen Arzt tritt (DIESE EMPFEHLUNG KANN NUR VON FRAU SCHULZ STAMMEN!!!), oder ähnliches, wirkt sich das positiv aus. Auch hier wird dem Gehirn vorgegaukelt, das alles in Ordnung ist.

Seit einigen Jahren wird auch viel mit Spiegeltherapie gearbeitet. Man spiegelt die vorhandene Gliedmaße und macht diverse sensomotorische Übungen wie Massage mit dem Igelball, Greifübungen mit den Zehen etc. Dadurch spielen wir dem Gehirn vor, dass alle Areale weiterhin benötigt werden. Wenn man selbst die Spiegeltherapie anwendet wird man feststellen, dass sich alle Bewegungen und Berührungen, die mit dem Bein (oder dem Arm) durchgeführt werden sich auf die amputierte Seite übertragen. Dies ist am Anfang sehr erschreckend. Also macht Eure ersten Versuche bitte nur unter Anleitung eines Ergotherapeuten! Die durch Spiegeltherapie erzielten Ergebnisse konnten bei den oben beschriebenen Morbus Sudeck Patienten wieder durch fMRT`s verifiziert werden. Die geschrumpften Areale wurden wieder so groß wie die der gesunden Seite. Aber ACHTUNG!!!!! Wenn die nicht amputierte Seite ebenfalls verletzt ist, ist die Spiegeltherapie vollkommen ungeeignet, da durch den Spiegel auch Schmerzen auf die Gegenseite übertragen werden!!!! In solchen Fällen ist Spiegeltherapie absolut ausgeschlossen!!!!!

Sensomotorische Übungen ohne Spiegel helfen aber dennoch. Wenn man den Stumpf mit unterschiedlichen Reizen beansprucht reduziert sich der Phantomschmerz.

Wenn nichts mehr hilft, muss man zu Medikamenten greifen. Niedrig dosierte Antiepileptika wie Neurontin oder Lyrika sind in der Regel gut verträglich und helfen meistens recht gut. Die Anwendung von Schmerzmitteln, vor allem von Opiaten oder Morphinen sollte kritisch abgewägt werden. Hier ist immer ein hohes Suchtpotential vorhanden. Wenn auf solche Mittel zurückgegriffen werden muss, dürfen nur retardierte Varianten, also solche, die den Wirkstoff langsam abgeben und einen Medikamentenspiegel halten, verwendet werden. Und auch dabei sollte immer wieder überprüft werden, ob die Dosis reduziert werden kann.

Weitere Untersuchungen im fMRT haben gezeigt, dass Schmerz auch durch das Limbische System angezeigt wird. In denselben Bereichen, in denen Schmerz sichtbar wird, werden auch Emotionen dargestellt. Ausgrenzung, Stress etc. wirken auf das Limbische System wie Schmerz. Dadurch wird verständlich, warum Schmerzen immer abhängig davon sind, wie wir uns fühlen. Wenn es uns psychisch gut geht, wird Schmerz weniger intensiv wahrgenommen, als wenn wir auch noch Kämpfe mit diversen Ämtern oder Kostenträgern austragen müssen.

Und zum Schluss noch eine interessante Ergänzung: Phantomschmerz entsteht nur, wenn bestimmte Areale des Gehirns schon fertig ausgebildet ist. Daher leiden kleine Kinder nach einer Amputation nie an Phantomschmerzen. Das Gehirn organisiert sich im Laufe ihrer E

 

 

 

Besuch der Firma Pro-Thesis zum Treffen am 01.02.2012 

Vertreten durch Herrn Tobias Kapfer, hatten wir bei unserem letzten Treffen

am 01. Februar 2012 Besuch von der Firma Pro-Thesis.

Herr Kapfer stellte sich selber und die Firma kurz vor.

Im Anschluss präsentierte er uns in sehr aufgelockerter Form an was die Firma

zur Zeit arbeitet.Die Firma Pro-Thesis arbeitet, im Rahmen eines Forschungsprojektes der

LMU München (Klinikum Großhadern), an volumenberechneten Prothesenschäften.

Die Daten für diese Schäfte werden nicht mehr, wie sonst üblich, durch einen Gipsabdruck

ermittelt, sondern durch Aufnahmen im MRT (Magnet-Resonanz-Tomograph, auch als „Röhre“

bekannt). Der Stumpf des Kunden (Patient) wird gescannt. Dazu wird man liegend auf einer

Vakuummatratze gelagert, der Stumpf wird durch einen Silikonliner gefasst, der speziell für

diesen Zweck mit einer Art Kontrastmittel verbunden ist. Die Aufnahmen dauern zwischen 20

und 30 Minuten. Aus den ermittelten Bildern werden 3-dimensionale Gipsmodelle erstellt und

dann ganz normal ein Tiefziehschaft gefertigt. Mit diesem Testschaft geht es, wenn man an der

Studie teilnimmt, dann im Klinikum Großhadern auf ein Laufband. Es werden verschiedene

Ganganalysen gefahren und diverse Messungen durchgeführt. Als Aufbau gehört zum Schaft

ein 3R80 Knie und ein Flex Foot von Otto Bock.

Mit diesem Aufbau werden dann in einer zweiten Sitzung auch noch Vergleichsstudien mit dem

eigenen Schaft durchgeführt.

Herr Kapfer beantwortete während und nach dem Vortrag alle offenen Fragen. Hauptsächlich

wurden Themen angeschnitten, die „Problemstümpfe“ betreffen.

Die Studie läuft im Moment leider nur für Oberschenkelamputierte. Erste Versuche mit

Unterschenkelamputierten wurden gestartet.

Knie-Ex Patienten müssen sich leider noch etwas gedulden.

Es war alles in allem ein sehr interessanter und informativer Vortrag, der dem Einen oder

Anderen aus der Gruppe neue Perspektiven bei der Schaftversorgung aufzeigte.

Wir als SHG möchten uns dafür recht herzlich bedanken.

 

Hier noch einige persönliche Anmerkungen von Kerstin, eine Testpatientin aus unserer

Gruppe:

Zunächst habe ich feststellen können, dass die durch Pro-Thesis hergestellten Schäfte sehr

„satt“ sitzen. Damit meine ich, dass ich eine super Kraftübertragung habe, weil der Stumpf

weniger Spiel im Schaft hat. Dabei ist der Schaft aber nicht unangenehm. Man muss sich nur

an die Druckverteilung gewöhnen. Das ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen einem

„normalen“ Skischuh und einem Rennstiefel.

Außerdem habe ich noch ein paar Worte zum Test auf dem Laufband. Eigentlich wurde die

Studie ins Leben gerufen, um Geriatrischen Patienten einen bequemen Schaft zu bauen.

Da man aber für die Laufbandmessungen einen gewissen Mobilitätsgrad benötigt, sollten die

Versuchspersonen schon recht gut laufen können. Die Messungen dauern jeweils nur wenige

Minuten, dazwischen kann jederzeit eine Pause eingelegt werden. Aber man sollte auf dem

Laufband frei gehen können und sich nicht festhalten müssen.

Als weiteren interessierten Zuhörer konnten wir Herrn Christian Lucke von der

Firma Lucke und Wirth GmbH aus Kaufbeuren begrüßen.

Herr Lucke führt seit 2007 ein Sanitätshaus für Orthopädie und Schuhtechnik in Kaufbeuren.

Anfang 2009 wurde auch eine Filiale in München eröffnet. Des weiteren gilt es noch zu

erwähnen, dass die Firma Lucke und Wirth offizieller Partner des Wund Zentrum München ist.

Bei Herrn Lucke möchte wir uns für die übernommenen Getränke ebenfalls sehr herzlich

bedanken.

 

Selbsthilfegruppe ProThesenBewegung    info@pro-thesen-bewegung.de